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Dr. Matthias Schreiber, ehem. Kulturchef des Magazins Spiegel im Interview (Telefon). Frage: Hat Schreiber die Tatsache schockiert, dass Grass Mitglied der Waffen-SS war? Schreiber :Ist verwundert; Verweis auf Biographie von Jürgs, in der Grass behauptet, er habe nie einen Schuss abgegeben; Schreiber fragt sich, wie ehrlich die jetzigen Äußerungen sind, Grass sei der Waffen-SS zugeteilt worden; Zwangsverpflichtungen zur Waffen-SS habe es zwar gegeben, aber eigentlich seien die meisten freiwillig zur Waffen-SS gegangen. Frage: Grass gibt sich und gilt als moralische Instanz; schaden die neusten Erkenntnisse seinem Renommee? Schreiber: Kempowski hat gesagt, das Bekenntnis komme ein wenig spät; Michael Jürgs ist persönlich enttäuscht und spricht vom Ende einer moralischen Instanz; Schreiber hält dies für übertrieben; "wer wirft da den ersten Stein?"; Verweis auf Walter Jens und Jürgen Habermas; Grass hätte vielleicht "weniger Lautstärke entwickeln sollen, auch in seinen moralischen Äußerungen über andere Verfehlungen von anderen Zeitgenossen"; man müsse neu über Grass' Rolle in der Nachkriegszeit nachdenken; sein politisches Engagement sei deswegen nicht hinfällig geworden. Frage: Sind die aktuellen Äußerungen von Grass Werbung für das neue Buch? Schreiber: Findet dies "unappetitlich"; ob es sich um einen Auszug aus der Autobiographie handelt oder im Interview mit der FAZ herausgekommen sei, weiß Schreiber nicht. [!]
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Auf eine Frage aus dem Publikum, ob sein Text die Leser nicht überfordere, weil er zu viel voraussetze, erklärt Grass, er wolle gerade historische Bildung vermitteln, den Rezipienten die Anstrengung des Lesens und Verstehens zumuten und sich nicht einem vorhandenen (niedrigeren) Niveau anpassen. Die Frage komme auch in der Erzählung vor, wo Paul Gerhardt und Heinrich Schütz darüber diskutieren, welcher Art die Musik sein solle.
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Einen Tag nach dem Tod von Benno Ohnesorg anläßlich einer Demonstration gegen den Schah-Besuch in Berlin diskutieren Augenzeugen und politisch Verantwortliche über die Vorfälle am Tatort und Umgebung. Im Vordergrund steht das Verhalten von Polizisten in Zivil.
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Ausschnitt aus einer Rede in der Sendung "Offen gesagt" des Süddeutschen Rundfunks; der Aufruf ist nicht in schriftlicher Form veröffentlicht Grass: Die protestierende Jugend verlange eine offene und sachliche Bundestagsdebatte zum Vietnamkrieg; die Jugend verlange eine Position der Bundesregierung zu der Möglichkeit, dass die USA Nuklearwaffen im Vietnamkrieg einsetzen könnten; dieser Möglichkeit müsse man als kritischer Verbündeter Amerikas ablehnend gegenüberstehen; sowohl der amerikansiche Bericht "Zur Lage der Nation" als auch die bisherigen Bundestagsdebatten hätten die Frage nach dem Einsatz nuklearer Waffen ausgespart; es bestehe die Notwendigkeit, diese Vietnam-Debatte zu führen; die deutschen Politiker seien davor gewarnt, den Protest der Jugend gegen die Jugend selbst zu wenden - Berlin sei ein warnendes Beispiel [gemeint ist die vom Berliner Senat am 21. Februar veranstaltete Demonstration vor dem Schöneberger Rathaus, die zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen geführt hat]; der Protest der Jugend werde von einigen Gruppen für revolutionäre Thesen missbraucht, der Protest selbst sei aber aufrechtzuerhalten; solange Heinricht Lübke Bundespräsident und Kurt Georg Kiesinger Bundeskanzler seien, dürfe man mit der protestierenden Jugend nicht härter umgehen als mit diesen hohen Staatsrepräsentanen
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Im FAZ-Interview "Warum ich nach 60 Jahren mein Schweigen breche" wird erstmal bekannt, dass Grass Mitglied der Waffen-SS gewesen ist; schon vor Veröffentlichung des Interviews erste Reaktionen Michael Jürgs (O-Ton, telefonisch): literarisches Werk bleibt unbeeinfluss; die mahnende, moralische Instanz Grass sei jedoch seit den neusten Erkenntnissen "eigentlich erledigt". Im Telefoninterview: Prof. Dr. Volker Neuhaus (Grass-Wissenschaftler, -Biograph und -Herausgeber): Neuhaus weiß bereits seit zwei Wochen von Grass' Zugehörigkeit zur Waffen-SS, da er ein Vorabexemplar der Autobiographie "Beim Häuten der Zwiebel" gelesen hat; Grass habe jedoch nie verschwiegen, Nationalsozialist gewesen zu sein; neu sei die Erkenntnis, dass Grass mit 16 Jahren zur Waffen-SS eingezogen worden ist, da er sich vorher zur Marine freiwillig gemeldet hatte; in seiner bald erscheinenden Autobiographie setzt sich grass intensiv damit auseinander, ein gläubiger Nazi gewesen zu sein bis in die amerikanische Kriegsgefangenenschaft; Grass habe ein "ihn ehrendes Geständnis" abgelegt, die Gefahr des "Outens" sei bei Grass schon lange vorbei; aus einer "verständlichen Scham heraus" habe Grass direkt nach dem Krieg versäumt, dieses Geständnis abzulegen; Neuhaus ist nicht, wie Michael Jürgs, enttäuscht von Grass; der Glauben an den Nationalsozialismus sei der Motor des späteren Engagements von Grass; Grass habe die Blindheit gegenüber der Ideologie nie verschwiegen, sondern nur die Tatasche der Waffen-SS-Zugehörigkeit; Grass sei gegen andere ins Feld gezogen, die über ihr Verhältnis zum Nationalsozialismus geschwiegen haben; der Nobelpreis für Grass hätte man jedoch nie in Frage stellen können.
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Lesung aus "Hundejahre" (WA 5, S. 177-S.198) mit zahlreichen Abweichungen und Auslassungen gegenüber der Buchtext.
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Helmut Schmidt hat geäußert, dass die Freunde der USA nur im Bewusstsein der Abhängigkeit von Amerika handeln würden; daher höre man keine kritischen Worte von amtierenden Politikern. Grass vertritt eine ähnliche Ansicht: die USA würden ihre Freunde und deren Rat nicht beachten; Arroganz der Großmacht; das würde George W. Bush junior "gemeingefährlich" machen; Bush sei nicht mehr zugänglich für Argumente, wichtiger sei ihm statt dessen seine Popularität.
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Etwas süffisant klingender Kurzbericht über die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Lübeck an Grass; O-Töne des Lübecker Bürgermeisters Bernd Sachse und Lübecker Bürger; O-Ton Grass über Pfeifenrauchen; über Grass als Querdenker.
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Frühe Lesung aus Grass' Novelle "Katz und Maus" (Ausschnitt unbekannt)
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Thomas Rautenberg berichtet aus Warschau: Lech Walesa erneuert seine Zweifel an der Danziger Ehrenbürgerschaft für Grass; Grass hätte den Nobelpreis nie bekommen, wenn vorher bekannt gewesen wäre, dass der Autor Mitglied in der Waffen-SS war; das Stadtparlament von Danzig will die Entscheidung jedoch nicht übereilen; im Kommunalwahlkampf wird die PiS-Partei die Diskussionen um Grass und die deutsche Vergangenheit instrumentalisieren; Jörg Paas berichtet aus Wien: Der österreichische Schriftsteller Robert Schindel ist vom Waffen-SS-Geständnis nicht überrascht: Grass habe es ihm schon vor über 20 Jahren privat gesagt, sagt er in der Wiener Zeitung "Die Presse"; Schindel hat höchsten Respekt dafür, dass Grass nun von selbst an die Öffentlichkeit gegangen ist; ähnliche Reaktionen kommen von Robert Menasse: Hochachtung für Grass; Peter Hornung berichtet aus Prag: Über die Grass-Debatte in Deutschland wird ausführlich berichtet; die tschechische Korrespondentin in Berlin sagt, das Grass-Bekenntnis werfe einen Schatten auf das Werk des Autors; auch die tschechische Presse reagiert negativ.
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